Orthomolekulare Medizin

          Vorbeugung und Therapie

"Orthomolekulare Medizin ist die Erhaltung guter Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten durch Veränderung der Konzentration von Substanzen im menschlichen Körper, die normalerweise im Körper vorhanden und für die Gesundheit erforderlich sind."

Das Zitat kommt Ihnen bekannt vor? Linus Pauling hat es 1968 in Science veröffentlicht. Häufig wird angenommen das beziehe sich nur auf die etwa 45 Vitalstoffe (Vitamine, Mineralien und Spurenelemente) die der Mensch braucht. Das ist aber zu kurz gegriffen, denn OM wird in der Medizin an vielen Stellen praktiziert, auch wenn man es dann so nicht benennt. Die Gabe von Eisen bei einem Eisenmangel oder die Gabe von Insulin bei einem absoluten Insulinmangel sind nichts anderes als OM.  Es gibt noch viele weitere Beispiele.

Es ist noch gar nicht lange her, dass die Vitalstoffe entdeckt wurden. Jahrhunderte lang wurde die Menschheit von einigen unerklärlichen Erkrankungen heimgesucht, bekanntestes Beispiel ist der Skorbut, ein Mangel an Vitamin C. Diese Erkrankungen sind heute kein Thema mehr, von extremen Ausnahmen abgesehen. Das Augenmerk richtet sich heute auf andere Fragen.  Wir wissen, dass viele der so genannten Zivilisationskrankheiten ernährungsabhängig sind. Und wir wissen auch ziemlich genau, wie eine gesunde Ernährung aussehen müsste.  Aber wir tun uns enorm schwer diese Erkenntnisse dauerhaft umzusetzen.

Unser Verständnis über die Wirkungsweise der Vitalstoffe ist enorm gewachsen, auch wenn wir immer noch nicht alle Einzelheiten verstehen.  Gesichert ist, dass der Organismus einige Vitalstoffe nutzt, um freie Radikale zu neutralisieren. Freie Radikale sind hochreaktive Sauerstoffverbindungen, die natürlicherweise im Stoffwechsel entstehen und die im Verdacht stehen an Krankheits- und Alterungsprozessen beteiligt zu sein. Der Gedanke liegt nahe danach zu fragen ob wir immer über die richtige Menge an Vitalstoffen verfügen.

Zu Beginn der orthomolekularen Medizin wollte man mit hohen und sehr hohen Dosen einzelner Vitalstoffe therapeutische Effekte zu erzielen,  nach dem Prinzip viel hilft viel. Inzwischen wird diese Position immer weniger vertreten, denn auch hier gilt die Regel von Paracelsus nach der es immer auf die Dosis ankommt. Für das o.g. Beispiel mit dem Eisen ist es sinnvoll, den Mangel zu ersetzen, überschießende Mengen an Eisen führen zur Siderose, einer Eisenvergiftung.

Nur selten wirken Vitalstoffe einzeln so gut, wie in den angeführten Beispielen. Viel häufiger interagieren sie in einem komplizierten Geflecht biochemischer Reaktionen miteinander, oft auch zusammen mit ihren natürlichen Umgebungsstoffen, den Pflanzenbegleitstoffen, die man auch Vitaminoide nennt. Dabei handelt es sich um eine riesige Anzahl von verschiedenen Pflanzenstoffen, die noch lange nicht vollständig untersucht sind. Einige nutz der Organismus erwiesenermaßen als Radikalfänger. Menschen, die traditionell viele Pflanzenbegleitstoffe verzehren, haben ein entscheidend geringeres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, wie uns die mediterrane Küche lehrt.

 

Vitalstoffe werden durchweg als Nahrungsergänzung angeboten und es gibt ein riesiges Angebot verbunden mit jeder Menge Werbung. Dies Angebot gäbe es nicht, wenn daraus keine Verkäufe entstünden. Es ist allerdings schwer einen Überblick zu bekommen. Was sollte man beachten?

Fast alle Vitalstoffe können heute in der Retorte hergestellt werden, die wichtigen Pflanzenbegleitstoffe aber nicht. Vernünftigerweise wird man nur solche Präparate in Betracht ziehen, die natürlich hergestellt sind. Damit halbiert sich der Markt. Wenn man nun die Präparate nicht berücksichtigt, die aus Pflanzenauszügen gewonnen werden schrumpft das Angebot drastisch. Die letzte Frage, die man stellen sollte lautet: Wie lange existiert der Anbieter und woher bezieht es seine Produkte? Tropischer Ursprung oder Gewächshaus?

Wir beraten Sie gern, wenn Sie das wollen.

Vitalstoffe werden mit unterschiedlicher Zielrichtung angewandt, zum einen der Vorbeugung wegen, zum anderen aus therapeutischen Gründen.

Wenn man als anscheinend gesunder Mensch eine Ergänzung mit Vitalstoffen in Betracht zieht, sollte man zunächst über seine Ernährungsgewohnheiten nachdenken. Will oder kann man daran nichts dauerhaft verändern, sollte man an eine Grundversorgung denken. Eine orthomolekulare Grundversorgung muss in ausgewogener Menge alle Mikronährstoffe einschließlich der Pflanzenbegleitstoffe enthalten und einfach zu handhaben sein.

Anders sieht es aus, wenn es um Therapie geht. Hier liegt ja schon eine mehr oder weniger komplexe Gesundheitsstörung vor. Die orthomolekulare Medizin will und kann keine Alternative zu bewährten medizinisch notwendigen Behandlungsmaßnahmen sein, aber sehr wohl eine sinnvolle Ergänzung. Es geht nicht um ein entweder oder, sondern um ein sowohl als auch. Das Thema ist so umfangreich, dass es nicht möglich ist für alle Situationen hier eine Handlungsanweisung darzulegen. In jedem Fall ist ärztlicher Ratschlag der bessere und sicherere Weg.  Aber ein einfaches Beispiel sei angeführt.

Angenommen es handelt sich um eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, dann ist die medizinische Versorgung mit einem Stent (Eine künstliche Erweiterung der Arterie) und die Behandlung erhöhter Blutfette sinnvoll und medizinisch geboten. Ergänzend wäre jetzt eine orthomolekulare Therapie empfehlenswert bestehend aus einer Grundversorgung plus Vitamin C und Omega-3-Fettsäuren. Und warum? Weil man so einem erneuten Verschluss des Gefäßes am besten entgegenwirken kann. Es gilt das medizinisch Notwendige zu tun und das Orthomolekulare zu ergänzen.