Die Hyperbare Oxygenation

Dr. med. Dirk W. Elfes

 

Inhalt

 

Begriffsbestimmung

Die hyperbare Oxygenation  ( HBO ) ist ein medizinisches Behandlungsverfahren, bei dem Patienten in einer Druckkammer unter erhöhtem Umgebungsdruck eine Zeitlang reinen Sauerstoff  atmen.

 

Abgrenzung

Die HBO beruht auf einfach nachvollziehbaren physikalischen und physiologischen Gesetzmäßigkeiten und darf nicht verwechselt werden mit naturwissenschaftlich nicht begründeten und schulmedizinisch umstrittenen Behandlungsverfahren, wie z.B. Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie (SMT), Ozon-Therapie (Oxyontherapie), hämatogene Oxidations-Therapie (HOT/UVB), Oxyvenierungstherapie oder Sauerstoffinfusionstherapie.

 

Historisches

Die HBO entstammt der Tauchmedizin. Mitte des vorigen Jahrhunderts erlitten französische Arbeiter, die bei Brückenbauten in Senkkästen so genannten "Caissons" längere Zeit gearbeitet hatten, zum Teil schwere Krankheitserscheinungen; und zwar gerade dann, wenn Sie den Caisson verlassen hatten. 1878 erkannte der Franzose Paul Bert als Ursache die Stickstoffwirkung. Den Durchbruch in der Behandlung dieser "Caisson-Krankheit" genannten Erscheinungen schafften Behnke und Shaw 1937 mit der erstmaligen Anwendung von Sauerstoff zur Therapie. Als Vater der modernen HBO gilt jedoch der niederländische Chirurg I. Boerema (gesprochen : Burema), der 1957 zeigen konnte, dass bei einem Druck von 2 ata und reiner O2-Atmung, Erythrozyten nicht mehr erforderlich sind, um den O2 Transport in lebensnotwendigem Maß sicherzustellen.

Das " Hannover-Syndrom "

Die Methode findet seither weltweite Akzeptanz. Heute stehen HBO-Einrichtungen in Europa ebenso, wie in China, in Asien, in den USA und sogar ehemaligen Ostblock. In Europa gelten Schweden und die Schweiz als führend. In Deutschland (West) nahm die HBO einen anderen Weg. Hier führten - mangels geeigneter Regelungen - Heilpraktiker eine "Drucklufttherapie" durch. Dabei wurden, mehr oder weniger wahllos, Patienten in einer Überdruckkammer (ohne Schleuse) auf  30 Meter simulierte Wassertiefe gefahren.  Am 11.2.76  in Hannover war es dann soweit. Infolge eines vermeidbaren medizinischen Zwischenfalls, eines zusätzlichen Bedienungsfehlers und verschiedener technischer Unzulänglichkeiten, kam es zu einem Dekompressionsunfall bei dem von 20 Patienten 5 ums Leben kamen.

Die Folgen

Der Schock saß tief. Von politischer Seite wurden die existierenden Kammern in einer ersten Reaktion stillgelegt. Das betraf auch die an den Universitäten bestehenden Einrichtungen. Die Unfallfolgen waren der entscheidende Anstoß zur Einführung der Medizin-Geräte-Verordnung (Med-GV). Der Betrieb von Druckkammeranlagen unterliegt seither der Klasse I der Med-GV.  Auch für die Industrie hatte dieser Unfall Folgen. Aufgrund des Gesetzes musste die gesamte technische Konzeption höheren Sicherheitsanforderungen genügen als vorher. Die beiden namhaften deutschen Hersteller bauen heute die wohl weltweit technisch besten Kammern. Und auch die Wissenschaft zog aus diesem Unfall Ihre Lehren. Die Ereignisse gaben den Anstoß zur Gründung der deutschen Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin ( GTÜM ).

Physik

Tauchphysik, Tauchmedizin, HBO und auch Teile der Flugmedizin haben ihre gemeinsame physikalische Grundlage in den Gasgesetzen. An die drei wichtigsten sei hier erinnert :

Das Gesetz von William Henry:

Die Konzentration eines in einer Flüssigkeit gelösten Gases Ci ist bei konstanter Temperatur proportional dem Produkt aus herrschenden Partialdruck pi des Gases und dem Löslichkeitskoeffizienten a. [ Ci = pi x a ]  Der Koeffizient a errechnet sich aus der Division, der bei Sättigung gelösten Menge eines Gases durch das Produkt aus Volumen der Flüssigkeit und dem Partialdruck des Gases.

Das Gesetz von John Dalton:

Der Gesamtdruck eines Gasgemisches setzt sich zusammen aus den Teildrücken der Bestandteile, die je nach ihrem Volumenanteil dazu beitragen. [ Pges. =  p1 + p2 + ... pn ]. Der Partialdruck eines Bestandteils wird durch Multiplikation seines Volumenanteils in Prozent mit dem Gesamtdruck ermittelt.

Das Gesetz von  Robert Boyle und Edmé Mariotte:

Dies ist wohl das bekannteste Gesetz. Es besagt, dass das Produkt aus Druck P und Volumen V einer definierten Gasmenge eine Konstante ergibt. Das gilt nur bei gleich bleibender Temperatur :   [ P x V  =  konst. ]

Physiologie

Sauerstoff wird bekanntlich auf  zwei Wegen im Organismus transportiert :

a) chemisch gebunden an  Hämoglobin
b) physikalisch gelöst im Plasma

Unter normobaren Bedingungen transportieren 100 ml arterielles Blut 20 ml O2 an Hämoglobin gebunden und  0,3 ml  O2  physikalisch gelöst im Serum. Hb ist regelmäßig mit O2 gesättigt (SO2 = 97%), eine Erhöhung des Partialdrucks führt kaum zu einem Mehr an HbO2. Die Atmung von reinem Sauerstoff erhöht allerdings den physikalisch gelösten Anteil  von 0,3 ml auf etwa 2,1 ml pro 100 ml Blut.

Unter hyperbaren Bedingungen ändern sich die Verhältnisse gemäß den Gasgesetzen. Bei einem Umgebungsdruck von 2 bar lösen sich ca. 4,5 ml  und bei  3 bar bereits 6,8 ml O2  im Serum pro 100 ml Blut. Das entspricht der arteriovenösen Sauerstoffdifferenz (5ml/100 ml Blut) unter Grundumsatzbedingungen  (siehe Boerema - weiter oben ).

Betrachtet man die Partialdrücke, ergibt sich folgendes. Normobar beträgt der alveoläre Partialdruck für O2  140 mmHg,  im arteriellen Blut noch 130 mmHg  und in der arbeitenden Muskulatur noch  30 - 40 mmHg. Hyperbar lassen sich im arteriellen Blut 1200 mmHg O2 und mehr erreichen.

Die Zunahme des arteriellen Sauerstoffpartialdrucks  bewirkt in der Peripherie  eine erhöhte Partialdruckdifferenz zu den Geweben. Diese ( enorme ) Differenz wirkt sich günstig auf die Gewebe aus, die so mit Sauerstoff regelrecht überschwemmt werden. Nach der Fickschen Diffusionsgleichung ergibt eine höhere Sauerstoffkonzentration einen höheren Sauerstofffluss pro Zeiteinheit in Richtung der Gewebe mit niedrigem pO2.  Dabei werden weite Diffusionsstrecken und ein u.U. erhöhter Diffusionswiderstand (Membranprozess) besser überwunden. Es werden so noch "die letzten Wiesen" mit Sauerstoff versorgt.

Wirkungen der HBO

Sauerstoff im Überschuss hat in Abhängigkeit von der Höhe des Partialdrucks und der Expositionszeit unterschiedlich stark ausgeprägte physikalische, metabolische und klinische Effekte. Der Blutdruck bleibt unverändert. Das Schlagvolumen des Herzens vermindert sich und auch die Herzfrequenz nimmt ab. Das Ventilationsvolumen und die Atemfrequenz sinken bei steigender O2 Aufnahme. Stickstoff wird ausgewaschen. Es lassen sich eine periphere Vasokonstiktion und ein verminderter cerebraler Blutfluss messen. Allerdings gilt das nicht für hypoxische Gewebe, deren Perfusion sich verbessert. Die Bedeutung des Hämoglobins für den Sauerstofftransport verliert sich,  damit ändert sich auch die Sauerstoffverteilung im Organismus. Die Aktivität von Enzymsystemen wird teils gebremst teils beschleunigt, die Angioneogenese angestoßen.

Sauerstoff hat einen antiödematösen Effekt. Das führt zu einer Druckentlastung der geschädigten Gewebe und zur Verbesserung  der Perfusion. Er besitzt eine direkte bakteriostatische und bakterizide Wirkung auf einige Problemkeime. Besonders gut wirken hohe Sauerstoffkonzentrationen gegen Pseudomonas aeruginosa und gegen Clostridien. Die Angioneogenese wird unter hyperbarem Sauerstoff beschleunigt. Sauerstoff im Überdruck wirkt auf ulcerierte Bereiche granulationsfördernd.

Eine gestörte Mikrozirkulation behindert den Antransport von Nährstoffen ebenso, wie den Abtransport der Zellmetabolite. Aufgrund des eingeschränkten O2 Angebotes erfolgt die Umstellung des Stoffwechsels auf Anaerobie mit vermehrtem Substratabbau und Anfall von sauren Metaboliten. Diese wiederum ändern die Reaktivität der Widerstandsgefäße derart, dass die präkapillaren Gefäße weit gestellt bleiben, sich aber die postkapillaren Gefäße in Konstriktion befinden. Die Folgen sind eine Praestase oder Stase mit massiven Verlusten von Makromolekülen und Ionen ins Interstitium (Ödem). Außerdem können Erythrocytenaggregationen die Strömung weiter behindern - ein Circulus vitiosus. HBO, ggfs. in Verbindung mit rheologischen Maßnahmen, wirkt in Richtung einer Normalisierung des geschädigten Zellstoffwechsels mit Restitution des geschädigten Energiestoffwechsels und Wiederherstellung des Elektrolytgleichgewichts.

Theoretische Indikationen

Vom theoretischen Ansatz her ist HBO immer dann wirksam,

HBO ist nicht an eine medizinische Fachspezialität gebunden. Es ergeben sich zwangsläufig in vielen klinischen Fächern Anwendungsmöglichkeiten. Um zu einem rationalen Ansatz zu kommen, kann man die Indikationen in drei Gruppen einteilen:

  1. HBO ist die einzige kausale Behandlungsmöglichkeit z.B. CO - Vergiftung ,  Dekompressionskrankheit
  2. HBO hat sich als einwandfrei nützlich erwiesen auch im Zusammenwirken mit weiteren Behandlungsprinzipien  z.B. bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit beim Knalltrauma und beim akuten Hörsturz                
     
  3. HBO  lässt vom theoretischen Ansatz her positive Effekte erwarten z.B. Zentralarterienverschluss des Auges

Während die HBO in zahlreichen Ländern zu einem allgemein anerkannten Verfahren herangewachsen ist, wird sie in Deutschland häufig noch als Außenseitermethode angesehen. Dies findet nicht zuletzt seinen Niederschlag in den "Hinweisen zu den Beihilfevorschriften (BhV) " des Bundesministeriums des Innern worin die hyperbare Sauerstofftherapie als "wissenschaftlich nicht allgemein anerkannte Methode" von der Beihilfefähigkeit ausgeschlossen wird, aber immerhin mit folgenden Ausnahmen:

Kontraindikationen

Absolute Kontraindikationen

sind selten:  z.B. unbehandelter Pneumothorax, kardiopulmonale Globalinsuffizienz mit  Störungen der Atemregulation, COPD (chronic obstructive pulmonary desease). Laufende Chemotherapie mit Adriblasin und Cis-Platin.

Relative Kontraindikationen

Psychosen, unbehandelte Epilepsie, Klaustrophobien und Probleme den notwendigen Druckausgleich herzustellen sind relative Kontraindikationen.

Klinische Indikationen für die Hyperbare Sauerstofftherapie

a) Angiologie

  1. periphere arterielle Verschlusskrankheit ( Stad.  II B, III und IV )            
  2. kombinierte arteriovenöse Insuffizienz mit Problemwunden

b) plastische Chirurgie und Dermatologie

  1. kritische Hauttransplantate
  2. thermische Verbrennungen
  3. Ulcus cruris arteriosum
  4. Ulcus cruris venosum (in bestimmten Fällen)
  5. Dekubitalulcera

c) Radiologie / Strahlentherapie

  1. Osteoradionekrosen
  2. Weichtelradionekrosen
  3. HBO als Radiosensitizer

d) Traumatologie und Orthopädie

  1. Crush-Syndrom
  2. Compartment-Syndrom
  3. andere akute traumatische Ischämien
  4. ausgewählte Problemwunden
  5. Schädel-Hirn-Traumen
  6. Nekrotisierende Weichteilinfektionen und Gasbrand
  7. verzögerte Knochenbruchheilung

e)  HNO

  1. akuter Hörsturz (Notfall)
  2. Knalltrauma (Notfall)
  3. akuter Tinnitus mit Perzeptionsstörungen

f)  Innere

  1. Co - Intoxikation - auch Verdachtsfälle  (incl. Schwangerschaft)
  2. Cyanidvergiftungen
  3. Rauchgasinhalationen
  4. TIA
  5. ischämischer Insult
  6. diabetische Problemwunden

g) Zahnmedizin

  1. Osteoradionekrose
  2. kritische Implantate

h) Tauchmedizin

  1. DCS  I
  2. DCS II
  3. Reha nach DCS
  4. arterielle Gasembolie (AGE)

Nebenwirkungen

Die behandlungstypischen Nebenwirkungen resultieren  aus den Gasgesetzen, hier speziell aus dem Gesetz von Boyle und Mariotte, sind also ein Druck-Volumen-Problem.

Probleme mit dem Druckausgleich sind relativ häufig und betreffen vorwiegend das Mittelohr. Durch gefühlvolles Fahren der Druckkammer und durch Druckausgleichsmanöver (Valsalva, Flüssigkeit trinken, Gähnen ... ) sind diese Probleme beherrschbar. Gelegentlich bereiten die Stirnhöhlen oder die Oberkieferhöhlen Schwierigkeiten, besonders im Rahmen von Allgemeininfekten. Barotraumen der Zähne sind selten.

Das Risiko einen Lungenriss zu erleiden ( nur beim Auftauchen möglich ) ist extrem gering. Gefährdet können Patienten sein, deren Lunge Anomalien aufweist, wie extreme Emphysemblasen, die zudem schlecht belüftet sein müssen. Hier besteht die Möglichkeit eines air trapping.

Das ZNS ist bekanntermaßen sauerstoffempfindlich. Unter hohen Sauerstoffspannungen sind mit und ohne Aura epileptische Krämpfe möglich. Diese Nebenwirkung gehört aber beim heutigen Therapiestandart zu den extremen Seltenheiten. Man nennt diesen Sauerstoffeffekt auch nach seinem Entdecker Paul Bert Effekt.

Aus der Anästhesie und der Intensivmedizin weiß man um die Probleme, die bei normobar mit Sauerstoff beatmeten Patienten auftreten können. Sauerstoff kann bei genügend langer Einwirkung und in Abhängigkeit von individuellen Faktoren zerstörend auf das Surfactant wirken. Die oberflächenaktiven Substanzen wie Lezithin und Lipoproteine werden oxydiert und können u.U. nicht in genügender Zeit und  Menge nachgebildet werden. Die Oberflächenspannung wird dadurch regional unterschiedlich soweit erhöht, dass der notwendige Öffnungsdruck  (normal 6 cm Wassersäule) durch die Atemarbeit oder vom Beatmungssystem nicht erreicht wird. Das Resultat ist die Ausbildung einer Atelektase. Zur kalkulatorischen Abschätzung des Atelektaserisikos unter 100% O2 wurde die UPTD eingeführt: Unit Pulmonary Toxicity Dosage.

[  1 UPTD = 1 bar O2 für 1 min.  ]

Man rechnet mit 2 % Vitalkapazitätsreduktion  bei  615  UPTD und mit  10 % Vital-kapazitätsreduktion  bei 1425 UPTD.

Unter hyperbaren Bedingungen ( z.B. 10 m Wassertiefe entsprechend 2 bar) errechnen sich bei der gebräuchlichen Expositionszeit von 60 - 120 min. UPTD Werte von 120 - 240.  Dies ist ein theoretisches ( tierexperimentelles ) Modell  mit begrenzter Abwendungs-Möglichkeit auf humanmedizinische Einzelbelange, erlaubt aber doch eine grobe Abschätzung des Atelektaserisikos.  In der heutigen Praxis der HBO sind Atelektasen beim Menschen nicht zu beobachten.

Praxis der HBO - Behandlung

Die Durchführung der hyperbaren Sauerstofftherapie geschieht heutzutage in einer Mehrpersonenkammer ( 6 - 10 Plätze ), die über eine Vorkammer als Schleuse zugänglich ist. Vor- und Hauptkammer verfügen über mehrere Beobachtungsfenster und meist 2 oder mehr Videosysteme zur Überwachung der Kammerbesatzung. Ein Trolley ermöglicht auch die Behandlung von Liegendpatienten.  Dauernder Sprechkontakt wird aufrecht erhalten, auch bei Stromausfall. Zum Betreiben der Kammer dienen 2 Kompressoren, die über einen Druckluftspeichervorrat von mehreren hunderttausend Litern gepuffert angeschlossen sind. Dabei reicht bereits ein Kompressor für den sicheren Betrieb aus ( Prinzip der Redundanz ). Die Kammer wird über einen geeigneten Fahrstand computergesteuert gefahren. Dabei ist jederzeit ein Eingreifen von Hand möglich.

Die Sauerstoffversorgung kann entweder über 50 l Speicherflaschen oder über Flüssigsauerstoffanlagen sichergestellt werden.  Man rechnet mit einem Therapieverbrauch vom durchschnittlich  1.500 Liter O2 pro Patient und Behandlungstag und  ca. 40.000 bar-Liter Druckluft.

Die Behandlung muss fraktioniert erfolgen. Normalerweise wird pro Tag eine Sitzung von 60 bis 120 Minuten erforderlich sein. In bestimmten Fällen kann auch eine zweimalige oder sogar dreimalige Behandlung pro Tag erforderlich werden (Tauchunfälle , CO Intoxikationen, Gasbrand). Die Anzahl der Behandlungstage kann sehr unterschiedlich sein, je nach Indikation. Der Feuerwehrmann mit Rauchgasvergiftung wird ein- oder zweimal zu behandeln sein, die therapieresistente Osteomyelitis kann viele Wochen HBO benötigen. Die Behandlungstiefe - der notwendige Überdruck also - ist abhängig von der Indikation und von individuellen Faktoren des Patienten.

Voraussetzungen

Behandlungen können nur dann durchgeführt werden, wenn mindestens eine Indikation der Gruppe 3 vorliegt. Für die sichere Durchführung der Behandlung sind verschiedene Voruntersuchungen erforderlich.

  1. klinische Untersuchung unter tauchmedizinischen Aspekten.
  2. Absicherung durch eine Rö-Thorax Untersuchung - es kann auf eine Voraufnahme, die nicht älter ist als 2 Jahre (Berufsgenossenschaftlicher Standart) zurückgegriffen werden, wenn die Zwischenanamnese leer ist.
  3. EKG - bei Verdacht auf KHK ggfs. auch Belastungs-EKG ( Bei manifester KHK ist während der Therapie Monitoring erforderlich ).
  4. Lungenfunktionsuntersuchung (bei Verdacht auf obstruktive Ventilationsstörung)
  5. Blutgasanalyse und/oder transcutane Messungen (Monitoring) des Sauerstoffpartialdrucks
  6. Audiometrie ( bei Perzeptionsstörungen bzw. Tinnitus )
  7. Laboruntersuchungen ( je nach klinischer Situation )

Kontrollen

Die HBO ist keinesfalls eine Art Revitalisierungsbehandlung für allerlei geriatrische Allgemeinprobleme. Die Behandlung ist im Gegenteil zumindest anfangs häufig belastend, schon allein aufgrund der Annregung vieler Stoffwechselvorgänge. Es kann gelegentlich nach einer Therapiesitzung Bettruhe erforderlich werden. Während der Therapiesituation sind Kontrollen in Form eines Monitorings zum Teil notwendig und sinnvoll. Dabei werden je nach Situation RR, EKG, pO2 und erforderlichenfalls weitere Parameter in bestimmten Abständen oder kontinuierlich überwacht. Sicht- und Sprechkontakt zu jederzeit sind selbstverständlich. Ein mittelbarer Zutritt zum Patienten ist über die Personenschleuse immer möglich. In bestimmten Abständen sind Kontrollen der Lungenfunktion und des visus erforderlich.

Kosten

Aufgrund des erheblichen technischen Aufwandes (Gerät und Personal)  sind die mit der Behandlung verbundenen Kosten nicht zu vernachlässigen. Um so sorgfältiger muss die Indikation gestellt und der outcome überwacht werden. Wie immer in der Medizin ist der Mitteleinsatz mit Hilfe betriebswirtschaftlicher Methoden gut zu kalkulieren. Hingegen ist der Gewinn an Lebensqualität kaum in Geldwert zu erfassen. Was es bedeutet, dass der Tinnitus gebessert ist, oder dass sich ein Bein auch nur 1 Jahr hat beschwerdearm erhalten lassen, kann eigentlich nur der Patient bewerten. Durchschnittlich 130 € betragen die Kosten für eine Behandlung zur Zeit (2008). Die Anzahl der erforderlichen Behandlungen richtet sich nach dem Krankheitsbild. Bei einer Rauchgasvergiftung kann ev. eine Behandlung genügen. 10-15 Sitzungen werden erforderlich, um beurteilen zu können, ob sich ein Innenohrprozess günstig beeinflussen lässt. Die fortgeschrittene periphere arterielle Perfusionsstörung mit Ulcus arteriosum wird 20 - 40 Sitzungen benötigen und eine therapieresistente Osteomyelitis oder ein Strahlenschaden benötigen u.U. 30 - 60 Therapiefahrten.

Privatpatienten und Personen, die berufsgenossenschaftlichen Schutz genießen, können damit rechnen, dass von Ihrer Versicherung alle als notwendig erachteten Behandlungen anerkennt und deren Kosten im Rahmen der vertraglichen Gegebenheiten erstattet werden. In der vertragsärztlichen Versorgung ist die HBO nicht als Regel-Leistung anerkannt. (Der Bundesausschuss Ärzte/Krankenkassen, jetzt Gemeinsamer Bundesausschuss nach §91 SGB V - GBA, hat am 30.06.2003 beschlossen, die HBO bei folgenden Indikationen als Standardtherapie anzuerkennen: Dekompressionskrankheit, Kohlenmonoxid-Intoxikation und arterielle Gasembolie, allerdings nur im Rahmen eines stationären Aufenthaltes.) Faktisch wird die Behandlung in diesen Fällen für die Mehrzahl der Betroffenen unerreichbar.

In wie weit sich die Krankenkassen an ambulanten Behandlungskosten beteiligen können, wird weiter kontrovers diskutiert.

Kurzes Literaturverzeichnis:

Klassiker

Jain K.K., Textbook of hyperbaric medicine Hogrefe & Huber publishers, Toronto - Lewiston,NY - Bern - Göttingen - Stuttgart  1990

Hyperbaric Medicine Practice. (1993), Kindwall, E.P. (ed.) Best Publishing Company, Flagstaff.

Lamm H., Lamm K., (1987)  The effects of hyperbaric oxygen on the inner ear. In: Kindwall E.P. (ed) Proceedings of the 8th international congress on hyperbaric medicine. Best, San Pedro, p. 35

Takahashi, M., Iwatsuki, N., Ono. K., et al., (1992), Hyperbaric oxygen therapy accelerates neurologic recovery. Crit Care Med; 20:1588-1594.

Feldmann,H. ; Tinnitus  ,  Georg Thieme Verlag - Stuttgart  -  New-York  1992

ausführliches Literatur-Verzeichnis